Im September und Oktober dieses Jahres war ich 20 Tage lang als Reiseleiterin für Go Ahead Tours in den Schweizer Bergen unterwegs. Die meisten meiner Gäste auf den beiden «Walking Tours of Switzerland» hätten meine Grosseltern sein können :). Hier ein paar Gedanken zu meinem Reiseleiter-Job.

 

Es war eine intensive Reisezeit. Wir hatten viel Glück mit dem Wetter, sehr viel Spass und gute Gespräche. Ich mag es sehr, mich mit Menschen aus anderen Generationen auszutauschen. Das macht mich offener für andere Meinungen und Ansichten und ich kann so besser auf mein Umfeld  eingehen und meine Mitmenschen verstehen.

 

Immer wieder bin ich auf meinen Reisen überrascht, wie sehr sich die Kulturen von Schweizer_innen und Menschen aus Nordamerika unterscheiden. Mit Amerikaner_innen soll man grundsätzlich möglichst nicht über folgende Themen sprechen: Politik, Religion und Sex. Alles höchst spannende Themen für anregende Diskussionen. Oft bleiben die Begegnungen sehr freundlich aber oberflächlich. Aber natürlich gibt es auf jeder Tour immer auch Menschen, die gerade über solche Themen mit «Europäern» sprechen möchten. Amerikaner_innen scheinen mir enger mit ihren Familien verbunden zu sein als wir Schweizer_innen, obwohl die Familienmitglieder oft weit auseinander wohnen und man sich seltener sehen kann.

 

Ich: «Möchten Sie ein Gläschen Wein zum Apéro?»
Sie: «You know, I am not a big drinker»
Ich denke: «Oh, denkt sie ich sei Alkoholikerin?»

 

Alkohol trinken Amerikaner_innen meist weniger als wir. Manchmal sind sie recht schockiert, dass wir täglich oder zumindest regelmässiger ein Glas Wein oder Bier trinken. Für sie sind Grenzen und Regeln oder Abstinenz im Bezug auf – wie im Beispiel genannt – Alkohol (oder nicht genant: Sex und noch heftiger: Tabak) sehr wichtig. Aber, dass es Regeln zu befolgen gäbe die beispielsweise den Besitz und Einsatz von Waffen betreffen, das schränkt einige Amerikaner_innen in ihrer Freiheit ein…

 

Hier gehen die Meinungen sehr stark auseinander und viele Amerikaner_innen sind unzufrieden mit ihrem politischen System – wo man entweder Republikaner oder Demokratin ist. Dazwischen gibt es quasi nichts.

Amerikaner_innen sind nicht nur von unserem politischen System sehr angetan und können es kaum glauben, dass sich unsere Bundesräte nicht gegenseitig umbringen – nein, sie sind auch von unserem solidarischen Gesundheitssystem überwältigt.

 

Auch das Bildungs- und Schulsystem der Schweiz überrascht meine Gäste immer wieder – vor allem das System der Lehre begeistert Amerikaner_innen immer mehr. Amerikaner_innen reagieren schockierend und empört auf rauchende Menschen. Dabei haben Sie die Tabak-Industrie mit «ihrem» Malboro-Man gross gemacht. Oder am Tisch bin ich immer wieder überrascht und muss schmunzeln, wenn ich (als Jüngste) warte, bis allen anderen (60+) ebenfalls serviert wurde und erst dann mit dem Essen beginnen… und meine Gäste legen los, sobald der Teller vor ihnen steht. Vielleicht bin ich eifach auch zu gut erzogen worden 🙂 Aber das Thema Essen wühlt mich immer sehr auf mit Amerikanischen Gästen – vor allem mit High School Studenten… aber das ist ein anderes, ganz grosses Thema für sich…

 

Ich könnte stundenlang weiterschreiben und werde diesen Blogeintrag auch noch weiterführen – mit frischen Reiseleiter-Erfahrungen!

 

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